Kae Tempest verwandelt Verletzlichkeit in Stärke auf neuem Album „Self Titled“
Kae Tempest macht’s nochmal. Nach vier Alben, die bereits Maßstäbe gesetzt haben, kommt jetzt „Self Titled“ – und der Titel ist Programm. Hier wird nicht rumgeeiert oder versteckt gespielt. Kae legt alles auf den Tisch, und das Ergebnis ist verdammt beeindruckend.
Die Zusammenarbeit mit Inflo war offensichtlich ein Glücksgriff. Der Grammy-Gewinner, der schon Adele und Stormzy zu neuen Höhenflügen verhalf, hat Kae dazu gebracht, endlich mal richtig aus der Ich-Perspektive zu schreiben. Keine distanzierten Beobachtungen mehr, sondern pure Selbstreflexion. Das macht das Album so intim, dass man sich manchmal wie ein Voyeur vorkommt – im besten Sinne.
„Statue In The Square“ hat schon gezeigt, wohin die Reise geht: Kae’s Flow ist schärfer denn je, die Wordplay-Skills sind auf einem anderen Level. Das Video mit Princess Julia und der Deptford-Crew war nicht nur optisch ein Statement, sondern auch inhaltlich. Community matters, und Kae weiß das.
Was das Album von den Vorgängern unterscheidet? Es ist weniger verkopft, direkter. Kae schreibt einen Liebesbrief ans jüngere Ich, und dabei kommen Sachen raus, die wehtun und gleichzeitig empowern. Die Features Neil Tennant, Young Fathers und Connie Constance sind perfekt gesetzt. Jeder bringt was mit, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Musikalisch bewegt sich „Self Titled“ zwischen HipHop-Purismus und zeitgenössischem Pop, ohne dabei beliebig zu werden. Inflo’s Produktion gibt Kae den Raum, den er braucht, um zu zeigen, was für ein kompletter Artist er ist. Poet, Musiker, Geschichtenerzähler, alles in einem.
Nach Mercury Prize-Nominierungen und Ivor Novello Awards wäre es easy gewesen, eine sichere Nummer zu fahren. Stattdessen riskiert Kae alles und gewinnt. „Self Titled“ ist das persönlichste Album eines Künstlers, der schon immer wusste, wie man Verletzlichkeit in Stärke verwandelt. Mission accomplished.
Mehr News!
Foto: Jesse Glazzard


