Night Tapes Pressefoto
Live

Intimität trifft Größe: Night Tapes live im Urban Spree

Wie könnte man einen verregneten, nasskalten Sonntagabend besser verbringen als bei einem Konzert der Londoner Band Night Tapes? Zugegeben, es gibt sicher viele Wege, der Tristesse dieses Abends zu entkommen, doch dieser hier erweist sich als Volltreffer. Auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain zieht das Urban Spree an diesem Abend eine Menge junger Menschen an. Die kleine, alternative Venue ist restlos ausverkauft, das Publikum steht dicht gedrängt vor der Bühne. Schon jetzt ist zu vermuten: Night Tapes sind wohl nicht mehr lange eine Band für solch kleine Venues. Auch die fast 2 Millionen monatlichen Hörer:innen auf Spotify wagen diese These zu unterstützen.

Als Max Doohan, Sam Richards und Iiris Vesik die Bühne betreten, schaltet die Atmosphäre im Raum sofort um. Eine leise Spannung liegt in der Luft und vor allem Sängerin und Frontfrau Iiris zieht sofort alle Blicke auf sich: eine seltene Mischung aus zarter Präsenz und völliger Hingabe. Die Songs des Abends stammen u.a. aus ihrem im September erschienenen Album „portals//polarities“, dessen weiche, elektronische Klangwelten live noch eindringlicher wirken. Night Tapes verweben Dream Pop, Ambient und elektronische Musik zu einer träumerischen Soundlandschaft, die an diesem Abend vom sanftem Licht perfekt unterstützt wird.

Night Tapes – Pacifico (Lyric Video)

Während die Band in Tracks wie „pacifico“, „easy time to be alive“ oder „drifting“ eintauchen lässt, entsteht etwas, das fast einer gemeinsamen Meditationsreise gleicht. Die Nähe zur Bühne, der kleine Raum, das gebannte Publikum – all das verstärkt das Gefühl, gerade etwas sehr Intimes mitzuerleben. Sieht man sich um, sieht man verschiedenste Menschen, die die Musik sichtlich fühlen und feiern und sich vor allem nicht scheuen, das auch zum Ausdruck zu bringen. Bewegung, Applaus und Jubel.

Nach einem Set, das sich wie eine Reise durch einen einzigen Traum anfühlt, verabschieden sich Night Tapes kurz, nur um wenige Augenblicke später für einen letzten Moment zurückzukehren. Spätestens bei der Zugabe „to be free“ ist die Menge Teil der Performance und lässt nochmal jegliche Energie an diesem Sonntagabend frei. Trotz der Intimität des Urban Spree wirkte der Auftritt von Night Tapes an diesem Abend so professionell und präzise, dass er fast zu groß wirkt für einen solch kleinen Club. Night Tapes beweisen hier das Potenzial, viel größere Räume mit derselben Intensität zu füllen, und doch macht gerade die Nähe zu ihrem Publikum den Moment hier in Berlin zu einem besonderen Erlebnis.

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Foto: Marii Kiisk